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Donnerstag, 27. Juli 2017

Neun statt sieben

Sie war die siebte von neun: die Brücke von Schüpbach BE.
Diese Höger! Typisch Emmental!
Gestern huldigte ich der Emme, die nach den starken Regenfällen ihren wilden Tag hatte. Sie brüllte und schäumte, sie war hellbraun, bösartiger Milchkaffee. Ich startete in Eggiwil, hielt nach Schüpbach und weiter nach Emmenmatt, das dauerte knapp drei Stunden. "Über sieben Brücken musst du gehn", sang einst die DDR-Band Karat. In meinem Fall waren es neun Brücken, zu denen mich der Weg führte. Schade eigentlich, die Songzeile wäre ein schöner Titel gewesen für eine Wanderkolumne.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Fischtreppe, Militärmuseum, Angus Beef

Full AG, die Fähre kommt. Sie wird uns nach Deutschland (Waldshut) tragen.
Einige Zeit zuvor am Rhein.
Eben gingen wir von Leibstadt nach Full, das dauerte anderthalb Stunden und war abwechslunsgreich: die Fischtreppe des Rheinkraftwerks Albbruck-Dogern, das AKW Leibstadt, das nahe Militärmuseum Full, ein Weltkriegsbunker und schliesslich die Fähre bei Full - alles Dinge am Weg. Besagte Fähre ist nun nicht etwa ein Kahn, der an einem Von-Ufer-zu-Ufer-Kabel entlangfährt, sondern ein richtiges kleines Schiff, das denn auch regelmässig Ausflugstouren den Rhein hinab und hinauf anbietet. Wir setzten über, kamen nach Waldshut, es war für mich eine Offenbarung. Ich staunte über die Schönheit und Intaktheit des historischen Städtchens, in dem es von Schweizer Einkaufstouristen wimmelte. Bei Oscar's gönnten wir uns edles Beef, ich hatte ein Steak vom Angus Beef, köstlich. Bald will ich wieder nach Waldshut gehen und mich dort noch ein wenig mehr umschauen. Weit ist das nicht, in 47 Minuten gelangt man von Zürich hin, und der letzte Teil auf deutschem Boden ist erst noch GA-Gebiet.
Waldshut, vor dem Tor ins Städtchen.

Dienstag, 25. Juli 2017

Avenches, diesmal ohne Kaffeeduft

Zwischen Avenches umd dem Ufer des Murtensees.
Die Nespresso-Fabrik bei Avenches.
Gestern fuhr ich noch einmal nach Avenches, diesmal nicht als Besichtiger der antiken Stätten, sondern als Wanderer. Ich ging von Avenches nach Murten, das dauerte zweieinhalb Stunden, und ich wurde pflotschnass - es regnete apokalyptisch. Mir machte das grossen Spass, die Wege waren leer, andere Leute sah ich nicht, der Murtensee war sturmgepeitscht. Highlights gab es genug, die renaturierte Eau Noire etwa zwischen Avenches und dem See mit zwei hübschen Weihern und später zwischen Untergreng und Meyriez der Obelisk, der an die Schlacht bei Murten 1476 erinnert; damals besiegten an diesem Ort die Eidgenossen Karl den Kühnen, Herzog von Burgund. Etwas freilich fehlte auf meiner Wanderung, das am Samstag dominant gewesen war. Der Kaffeeduft. Nespresso betreibt in Avenches eine grosse Fabrik. Gestern aber vertrieben Wind und Regen fast alle Aromen, es roch bloss nach nassem Blattwerk und Schnecken.
Der Obelisk erinnert an die Schlacht von 1476.

Montag, 24. Juli 2017

Die geplünderte Stadtmauer

In Aventicum: Überreste des Cigognier-Heiligtums.
Die Stufen des Amphitheaters.
1939 grub man die Büste des
Kaisers Mark Aurel aus. Sie ist aus
Gold, eine Kopie zeigt das Museum.
Aventicum gab es als Zentrale der Helvetier schon vor den Römern; diese machten daraus die wichtigste Stadt auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Die Dimensionen beeindruckten mich während unserer Visite am Samstag: ein Amphitheater mit 16 000 Plätzen, ein Theater für 9000 Zuschauer, eine 5,5 Kilometer lange, von 73 Türmen gesäumte Stadtmauer. Ich könnte hier viele weitere Highlights aus Avenches nennen, belassen wir es bei dreien: Mir gefiel erstens die vom Cigognier-Heiligtum noch hochragende Säule. Zweitens, im Museum, die Skulptur von Romulus und Remus, die von der Wölfin gesäugt werden. Und drittens die frühromanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert in Donatyre, einem 25 Gehminuten entfernten Dörfchen auf einem Plateau. Was die Kirche mit den Römern zu tun hat? Nun, sie wurde aus Quadersteinen der antiken Stadtmauer erbaut.
Ebenfalls im Museum: Romulus und Remus an den Zitzen der Wölfin. 
Aus dem Stein von Aventicum gefertigt: das Kirchlein von Donatyre.

Sonntag, 23. Juli 2017

Zwei Wissenslücken gefüllt

Schwaderloch AG: Reste des Turms, in dem römische Legionäre Wache hielten.

Der Auenwald im Rossgarten,
Schwaderloch, ist der einzige
im ganzen Fricktal. Hübsch
unten am Rhein der Sandstrand.
Manchmal kommt es vor, dass ich von einer Route heimfahre und merke: Du hast etwas verpasst. Oder: Du hast etwas übersehen. In solchen Fällen nehme ich mir vor, noch einmal hinzugehen, und notiere mir das. Kürzlich ging ich noch einmal hin - und zwar nach Schwaderloch. Ich verband die Nachputzete mit einem einstündigen Spaziergang ins Nachbardorf Leibstadt. Die zwei Dinge, die ich mir gezielt anschaute: Zum einen war es der römische Wachtturm beim Oberen Bürgli etwas ausserhalb von Schwaderloch. Das gemauerte Fundament, 7,5 auf 7,5 Meter, ist imposant, der Turm wurde in der Zeit des Kaisers Valentinian ziemlich zu Ende des römischen Reiches erstellt und war Teil einer Reihe von Befestigungen, die den gesamten Raum Rhein-Bodensee sichern sollten. Zum anderen inspizierte ich Schwaderlochs geschützte Auenlandschaft am Rhein. Auch der Rest des Weges bis Leibstadt gefiel mir - und jetzt sind zwei kleine Wissenslücken gefüllt.

Samstag, 22. Juli 2017

Wir besuchen unsere Hauptstadt

Avenches, Osttor. (Odrade123/Wikic.)
Heute geht es nach Avenches im Waadtland. Wir wollen Aventicum besichtigen, sozusagen unsere allererste Hauptstadt, die als Zentrum des Keltenstammes der Helvetier begann, bevor die Römer übernahmen. Der Ortsname geht wohl auf den Fluss Aventia zurück, der wiederum auf die keltische Quellgöttin Aventia Bezug nimmt. Alles Weitere nach dem Besuch...

Freitag, 21. Juli 2017

Das Ohr mundete

Dies ist ein knusprig gebratenes Schweineohr. Unsereins steht nicht auf so etwas, aber Ronja hatte eines, eben im Löweneck in Zürich, wo es im Tapas-Angebot figuriert.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Das Walliser Monster

Die Bhutanbrücke über den Illgraben. Sie schwankt beim Begehen leicht.
Netter Schluss: Egli aus Raron in der
Brasserie im Hotel Ambassador, Brig.
Ich ass sie nach der Wanderung.
Wenn der Illgraben zum Leben erwacht, dieser vegetationslose Schlund, dann ist das schrecklich. Nicht Wasser kommt das Bachbett herab, sondern eine Art Verdauungsbrei, flüssiger Schlamm mit Baumstämmen und riesigen Felsbrocken. Man kann das hier anschauen, auf Youtube gibt es eine ganze Kollektion mit Murgängen aus dem Illgraben. Für die Leute des Dorfes Susten sind die Entladungen fast schon Routine, die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL hat ein Messsystem installiert. Eben war ich im Wallis und machte vom Bahnhof Leuk aus eine hübsche zweistündige Wanderung: auf der einen Seite des Grabens hinauf und auf der anderen Seite hinab. Ich genoss die Föhren des Pfynwaldes, den Anblick des Illhorns, die Tiefblicke in den Graben und natürlich die Bhutanbrücke am obersten Punkt, dem Wendepunkt der Route. Die Brücke aus dem Jahr 2002 ist 134 Meter lang; Gebetsfähnlein sowie ein Heiligtum mit einer Buddhafigur am östlichen Ende signalisieren, dass Know-how aus dem Königreich Bhutan in ihren Bau einfloss.
Messgeräte überwachen den Graben. Hinten in der Mitte das Illhorn.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Mit dem Wanderwagen nach Dänemark

René und sein Gepäckvehikel im Testbetrieb in der Ostschweiz.
(Foto: René P. Moor)
Wanderfreund, -blogger und -autor René P. Moor hat ein neues Projekt, er will von Basel zur Nordspitze Dänemarks wandern. Die Gepäckfrage scheint er gelöst zu haben: Er hat sich einen Wanderwagen zugelegt. Der Cart4go wiegt 4,7 Kilo, kann 32 Kilo laden, schafft es mit seinen robusten Rädern gut auch über holpriges, zum Beispiel wurzeldurchsetztes Terrain. So dass man René eigentlich nur noch viel Spass auf dem Weg in den Norden wünschen kann.

Dienstag, 18. Juli 2017

Routeninspirationen

Ideenreich: Wanderfritz.
(Screenshot der Homepage)
Super Sache! Mein Berner Freund Fritz "Wanderfritz" Hegi hat seine Homepage umgestaltet. Zentral im Redesign ist die Suchmaschine. Man kann Fritzens Routen nach Region, Aufwärtsmetern, Abwärtsmetern, Länge, Dauer, Schwierigkeitsgrad und Saison sortieren. Wer Routenideen braucht: Fritz inspiriert. Ich werde sicher ab und zu reinschauen und mir Anregungen holen.

Montag, 17. Juli 2017

Chur ist auch Byzanz

Bündner Kunstmuseum, Villa Planta: Oberlicht unter der Kuppel.
Nüchtern-eleganter Kontrast: Treppenaufgang im Erweiterungsbau.
Ein Auslandschweizer kommt in den 1870er-Jahren heim nach Chur, ein reicher Baumwoll-Industrieller. Und weil er lange in Alexandria geschäftet hat, also in Ägypten, lässt er sich eine Neorenaissance-Villa mit orientalischem Flair bauen: Da sind zum Beispiel zwei Sphingen, vor allem aber die byzantinisch angehauchte Kuppel mit einem Halbmöndli obendrauf. Heute ist die Villa Planta Teil des Bündner Kunstmuseums, ist also sozuagen demokratisiert; man kann als Normalsterblicher den Luxus von damals betrachten und geniessen. Ein zweites Museumshaus, der Sulser-Bau, wurde vor wenigen Jahren abgebrochen; er wich einem komplementären Neubau des spanischen Architekturbüros Barozzi/Veiga, der letztes Jahr eröffnet wurde. Der Museumsbesuch am Freitag war ein Vergnügen, es ist genug Platz um die grossartigen Gemälde und Skulpturen, das Licht fällt richtig, man geniesst die Harmonie von neu und alt und fühlt sich irgendwie als Mitbesitzer.
So hätte man auch gern gewohnt! Natürlich inklusive Gemälde.
Im neuen Teil: Hermann Scherer, "Mann und Weib", 1924.

Sonntag, 16. Juli 2017

Ich ass ein Rickli

Schleitheim, Schlaate im Dialekt, hat viel zu bieten, abgesehen von seiner anmächeligen Abseitslage im Schaffhauser Randengebiet. Zum Beispiel
  • das Gipsmuseum mit Bergwerksstollen
  • das "Schleitheimer Bekenntnis", das die täuferische Konfession formuliert; weltweit sind bloss vier Exemplare erhalten, eines davon ist in Schleitheim ausgestellt - von überall auf der Welt kommen Täufer, es anzuschauen
  • die Therme Iuliomagus, eben in aufgefrischter Form wiedereröffnet und besuchbar; über sie schrieb ich unlängst.
Kürzlich entdeckte ich eine weitere Attraktion aus Schleitheim. Eine essbare. Auf dem Schiff von Steckborn nach Schaffhausen nämlich hielten sie unter den süssen Snacks auch Schlaatemer Rickli bereit, längliche, in Öl gebackene Küchlein. Ein Rickli ist übrigens eine Öse, Schleife, Schlinge, was passt, wie mein Foto zeigt; das Gebäck ist gezöpfelt. Es schmeckt ähnlich wie ein Schenkeli.

Samstag, 15. Juli 2017

Die Frau von Chur


Im Moment bin ich viel unterwegs, Ferien, Sehhunger. Die Erlebnisse reihen sich so dicht, dass ich fast nicht nachkomme mit dem Verarbeiten der Fotos und der Bloggerei. Gestern war ich mit meinem Berner Freund Ch. in Chur im Bündner Kunstmuseum, es war, gelinde gesagt, fantastisch - sowohl die Architektur des Neubaus, die mit ihm verbundene alte Villa als auch die Kunst begeisterten uns. Vorerst hier bloss eine Aufnahme aus dem Museumsgarten. Die Statue "Weiblicher Torso" stammt natürlich von HR Giger, dem gebürtigen Churer, der den Film "Alien" visuell prägte und einen Oscar erhielt.

Freitag, 14. Juli 2017

Ein sehr spezieller Garagist

Ledi Garage in Feutersoey BE: Lounge-Ecke
das Gstaad Automobile Club.
Hansueli Brand aus Feutersoey an der Strasse von Gstaad nach Gsteig spricht urchigen Dialekt, er sagt zum Beispiel "Rennstreckleni". Sohn eines Bergbauern und Skilehrers ist er und verkehrt gleichzeitig mit den Reichen und Superreichen von Gstaad. Das Auto schafft die Verbindung. Vor 36 Jahren machte sich Brand mit seiner Ledi Garage selbständig. Er ist Land-Rover-Händler. Und hat ein Autohotel gegründet. Die Geschäftsidee ist die: Viele Leute in der Gegend haben mehrere teure - sehr, sehr, sehr teure - Autos und keinen Platz dafür. Bei Brand können sie ihre Autos einlagern, natürlich sind die Sicherheits-Vorkehrungen entsprechend und der Service garantiert. Als wir, ein Journalistengrüppli, kürzlich zu Besuch waren, sprangen uns fast die Augen aus dem Kopf. Da reihen sich die Sportwagen und Boliden der Fünfziger-, Sechziger-. Siebzigerjahre, die Originalmodelle, die in Le Mans fuhren oder auch die Rallye Paris-Dakar bestritten (wie Brand selber, übrigens). Knallgelb und buntrot waren sie damals noch gespritzt, es war die Ära, als das Auto grandios war, ein Faszinosum. Der Wagenpark, den wir nicht fotografieren durften, ist Millionen wert. Und natürlich hängen an jedem Auto die Emotionen des Besitzers. Im Obergeschoss treffen sich im Gstaad Automobile Club jene 56 Leute, die glückliche Mitglieder sind; man kann nur durch Einladung dazustossen, das Auswahlverfahren läuft oft jahrelang. Clay Regazzoni, Bernie Ecclestone, Gunter Sachs: einige klingende Namen des Clubs, wer verstorben ist, bleibt in Erinnerung. Die Lounge ist eine Kirche des Verbrennungsmotors mit Originalpokalen diverser Rennen, mit Fotos wichtiger Rennfahrer, mit Modellen, die selber zehntausende Franken wert sind. Brand, der Saaner: bauernschlau und ortsverbunden und doch global denkend und als Club-Präsident freundschaftlich verkehrend mit Milliardären, es verschränkten sich Business und Passion. Ah ja, am Schluss zeigte uns Brand eine Etage mit alten, perfekt instandgehaltenen Bugatti, die alle Waadtländer Nummernschilder trugen; sie gehören samt und sonders einer einzigen Familie. Welcher? Das hat er uns nicht verraten, Geschäftsgeheimnis.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Steinzeit am Genfersee

Gestern reiste ich nach Lutry unweit von Lausanne - ein grosses Winzerdorf am Genfersee - und begab mich zum Parkfeld beim nordwestlichen Eingang zum Altstädtchen; es heisst "La Possession". Dort fand ich die berühmten Menhire. Sie wurden 1984 beim Bau der unterirdischen Garage entdeckt und ein paar Meter entfernt wieder aufgestellt. Die einen Steine sind mehr als menschenhoch, die anderen eher zwergenformatig; sie stehen eng beieinander, bilden eine Mauer; viele sind erkennbar behauen. Doch, ich fand die Anlage aus der Jungsteinzeit beeindruckend. Auch wenn sie von den doofen Autos ärgerlich bedrängt wird.

Mittwoch, 12. Juli 2017

666

Der Bergbahnen-Gstaad-Chef referiert.
Zwei Blogeinträge zu den Tagen im Saanenland stehen noch aus. Hier ist der eine. Bevor wir letzten Freitag vom Rellerli zum Sparenmoos traumwanderten, trafen wir auf dem Rellerli (Gondelbahn von Schönried) den Chef der "Bergbahnen Destination Gstaad AG", Matthias In-Albon. Er erzählte uns unverblümt, wie es um sein Höhenreich steht. Wo es schlecht aussieht. Und wo Hoffnung besteht. Ich fasse zusammen:
  • In vier Jahren gab es bei den Bergbahnen Gstaad einen Verkehrsertragseinbruch von 19,5 auf 15,6 Millionen Franken. Die Skierdays, Skitage also, gingen von 670 000 auf 490 000 zurück. Die Leute fahren weniger Ski, das merken ganz viele Wintersportorte. Es fehlt ja auch mancherorts am Schnee.
  • Das Sommergeschäft ist ausbaufähig, kann aber den Wintereinnahme-Schwund nicht kompensieren. Mit besserem Marketing und günstigeren Preisen kann man allenfalls besagtem Schwund entgegenwirken. Für den kommenden Winter offerieren die grossen Vier im Kanton Bern ein gemeinsames Saison-Bahnenabo für 666 Franken. Es sind Meiringen-Hasliberg, die Jungfrauregion, Adelboden-Lenk und Gstaad. Pointe am Rand: 666, das ist die Zahl des Teufels.
  • Die Bergbahnen Gstaad gibt es überhaupt noch, weil reiche Leute, die dort leben, Geld einschossen, an die 30 Millionen Franken; massgeblich beteiligte sich Milliardär Ernesto Bertarelli. Der Preis, den man laut In-Albon zahlt: Das Rellerli ist bald schon ein halbprivater Berg. Die Konzession für die Gondelbahn läuft nächstes Jahr Ende Sommer aus. Dann wird sie abgebrochen. Und es entsteht auf dem Rellerli Bertarellis private Lodge, er hat die Gebäude der Tal- und der Bergstation gekauft. Für die Normalverbraucher will man eine Buvette einrichten. Ob es irgendwann wieder ein Bähnli aufs Rellerli gibt, ist unklar; möglicherweise wird der Proviant für die Lodge mit dem Schneemobil hochtransportiert.
  • Dem Rinderberg, erschlossen per Gondel ab Zweisimmen, wird bald schon ein Thema zugeordnet. Alles soll sich dort oben um das Rind drehen mit Dingen wie einem Themenweg. Auf der Wispile, erschlossen ab Gstaad, soll etwas Ähnliches kommen, vielleicht zum Thema Tier allgemein. Man sieht: Gstaad hat immerhin ein Konzept, wie der Niedergang verwaltet wird; und möglicherweise gibt es ja doch einen Aufschwung beim Sommergeschäft.
    Momentan noch ganz öffentlich: das Rellerli und sein Berghaus.

Dienstag, 11. Juli 2017

Nasses Montagsabenteuer

Die leere Martinsklafter-Nische mit dem Spalt darüber.
Das Martinsklafter mit Infotafel und Schienenrillen im Boden. Die
Nische findet sich ganz hinten, wo Fels und Geländer zusammenkommen. 
Gestern ging ich auf Forschungsreise, sozusagen. Ich fuhr nach Biel und weiter zur S-Bahn-Station Frinvillier-Taubenloch mit dem Vorsatz, das Martinsklafter zu suchen, la Toise de Saint-Martin. Das Unterfangen gestaltete sich schwierig. Zum einen geriet ich in einen Wolkenbruch und war nach wenigen Minuten klatschnass. Und zum anderen gibt es im Internet keine wirklich genauen Angaben, wie man hinkommt, ich hatte bloss eine ungefähre Idee, wo der Ort liegt. Wegweiser gibt es offenbar nicht. Eine Chinesin konnte mir nicht helfen, ein junger Typ aus dem Ort auch nicht, "c'est quoi"? Dann traf ich im Wald an der Schüss eine Frau, die dort gewesen war, vor 40 Jahren, wie sie sagte, als Mädchen. Sie konnte sich nicht mehr genau an den Zugang erinnern und rief ihren Mann an. Der wusste es noch, mehr oder weniger. Ich ging gemäss seiner Anleitung zurück zur Bahnstation, stellte mich auf dem Perron mit dem Rücken zum Wartehäuschen hin, fixierte den Waldhang vor mir und erblickte tatsächlich einen Trampelpfad. Ich schlug ihn ein, ging steil bergan, kam zur Autobahn, zottelte auf einem Trottoir ihr entlang, bog ab auf eine alte, aufgelassene Strasse, ging durch einen Tunnel, hatte wieder die Autobahn vor mir und erkannte nun zur Rechten einen zweiten Trampelpfad. Wieder ging es steil aufwärts. Kurz darauf war ich beim Martinsklafter, das auf einer stellenweise mit einem Geländer gesicherten Felsterrasse liegt.

Das Martinsklafter besteht aus zwei Sehenswürdigkeiten, dazu kommt eine Leiter, mit der ein Kletterpfad den steilen Kalkriegel hinauf beginnt. Die eine Sehenswürdigkeit sind Rillen im Boden, Teile eines Verkehrsweges, der in die Antike zurückreicht. Ochsenkarren konnten in den Schienen sicher die exponierte Hangstelle bewältigen. Die andere Sehenswürdigkeit war eine leere Nische. In ihr könnte einst eine Mars-Statue gestanden haben. Oder aber eine Schrifttafel, die dem römischen Gott gewidmet war; in der Nähe haben Archäologen eine solche Tafel mit Inschrift gefunden. Damit wäre dann auch der erste Teil des Flurnamens erklärt. Der zweite, "Klafter", hat mit dem klaffenden waagrechten Spalt über der Nische zu tun. Vermutlich war in ihm ein Schutzdach fixiert, das die Nische vor der Witterung schützte. 

Soweit mein nasses Abenteuer, mit quietschenden Schuhen fuhr ich heim. Ich muss aber noch einmal hin. Dort nämlich, wo Trampelpfad Nummer zwei bergwärts ansetzt, führt ein dritter Pfad steil abwärts Richtung Schüss. Ich hätte ihn gern genommen, doch es war mir zu heikel, ich war allein, das Gelände unheimlich rutschig. Martinsklafter, wir sehen uns bald wieder. Wenn es trocken ist.
Auf der Infotafel ist das Martinsklafter als roter Punkt markiert samt dem
Verlauf des historischen Verkehrsweges.

Montag, 10. Juli 2017

Bewegung auf der Käseschnitte


Von unserer Journalistenreise ins Saanenland - sie endete gestern - will ich zwei weitere substanzielle Einträge publizieren. Aber nicht heute, man soll nicht jeden Tag lang bloggen. Hier also vorerst etwas Kurzes. Kollegin Ronja nahm die Käseschnitte auf, die in der Alpwirtschaft Hüsliberg beim Sparenmoos hoch über Zweisimmen auf den Tisch kam. Sie brutzelte derart intensiv, dass das Dekorationsgürkli in Bewegung geriet.

Sonntag, 9. Juli 2017

Ich machte auch schon weniger komfortabel Ferien

Im Gebiet Fang oberhalb Lauenen steht bei einem Tobel dieser Schuppen.
Die waagrechte Linie ist ein Stahlkabel, befestigt am Baum.
Gestern ein Ausflug nach Lauenen: Besichtigung der altehrwürdigen Kirche und Einkehr im Hotel Wildhorn, das einstmals die Schauspieler Hans Schenker und Isabelle von Siebenthal leiteten; nun ja, das Duo infernal legte sich mit der Dorfbevölkerung an und ging nach allerlei Zermürbungen ab, mittlerweile sind andere Leute zuständig. Nach dem Kafi wurde gewandert. In der süttigen Hitze ging es taleinwärts via Rohrbrücke und Hinderem See hinauf zum Lauenensee, der Anblick des Wassers erfrischte. Und gleich kam der Retourweg: auf einem reizend wilden, an einer Stelle kettengesicherten Pfad die Rossfalleschlucht hinab und nach einer Passage am Louwibach durch das Feuchtgebiet Rohr, bis nach zwei Gehstunden bei der Rohrbrücke Schluss war. Und nun? Ging es mit dem Bus wieder hinauf zum See, wo wir im Seerestaurant assen. Der Rest des Tages war nicht minder intensiv. Wir besuchten einen Garagisten in Feutersoey (mehr darüber später), schauten beim gerade laufenden Beach-Volleyball-Turnier vorbei und genossen argentinisches Beef in einem der Restaurants des Fünfsternehauses Park Gstaad. Es gehört Dona Bertarelli, der Schwester von Ernesto Bertarelli. Ja, ich habe schon weniger komfortabel Ferien gemacht. Aber heute ist Schluss, um neun reise ich ab ins Unterland, ade Gstaad, ade Saanenland.
Augenerfrischung: der Lauenensee. Hinten erahnt man das Hochgebirge. 
Das Fussbad im Louwibach tat gut.
Weiter unten im Feuchtrevier Rohr. Sein Markenzeichen sind solche Tristen.

Samstag, 8. Juli 2017

Traute Nähe und zackiger Horizont

Das war gestern im Saanenland ein guter Tag. Und ein abwechslungsreicher. Die Highlights waren:

Mmm, etwas Leichtes:
die Käseschnitte auf dem Hüsliberg.
  • Auf dem Rellerli, das man per Gondelbahn ab Schönried erreicht, hielt uns der Bergbahnenchef der Region einen Vortrag - interessant und ziemlich düster sieht die Lage aus. Aber es gibt auch Ideen, wie man die Bahnen in die Zukunft führen kann. Mehr davon bald in diesem Blog.
  • Vom Sparenmoos fuhren wir mit dem Trottinett hinab nach Zweisimmen, mir zittern heute die Hände vom vielen Bremsen. Grandios, diese Schussfahrt zu Tale mit den vielen engen Kurven.
  • Am Abend gab es eine Führung durch Saanen, das ich noch gar nicht kannte. Wir sahen das Grab von Gunter Sachs. Historische Chalets aller Grösse. Und eine Achtjährige in Tracht, die gerade auf dem Weg zu einem Alphornkonzert war. Der Vater trug ihr das Alphorn.
  • Die Hauptsache zum Schluss. Vom Rellerli, siehe oben, zum Sparenmoos, siehe ebenfalls oben, gingen wir zu Fuss durch eine berückende Voralpinlandschaft (3 Stunden, 289 Meter aufwärts, 385 abwärts). Zur Linken hatten wir die Freiburger Dolomiten mit dem Gastlosen-Massiv, zur Rechten aber gestaffelt in Ketten die Berner Alpen samt Wildhorn und Plaine Morte und und und. Gibt es eine aussichtsreichere Drei-Stunden-Wanderung? Ich wüsste keine. Ah ja, wir assen dann auch noch opulent, Käseschnitte und so, auf dem Hüsliberg (Vorderer Hüsliberg auf der Karte), einer Alp beim Sparenmoos. Sehr stimmig, dieses Gesamtpaket von trauter Nähe mit Kühen und Blüemli zum einen, zackigem Horizontabschluss zum anderen.
Kurz nach Wanderstart beim Rellerli.
Deutsche Wandererfamilie, in die sich ein paar Kühe verliebt haben.
Oh du liebliches Saanenland.

Freitag, 7. Juli 2017

Frau Martins Spezialbrille

Scherenschnitt-verzierte Scherenschnittkünstlerinnenbrille.
Es ist 2 Uhr 30, irgendwie bin ich schlaflos, an der guten Luft kann es nicht liegen, still ist es auch draussen, die kleine Journalistengruppe, zu der ich gehöre, ist im Hotel Hornberg in Saanenmöser untergebracht, einem stimmigen Ort abseits jeden Rummels, das Abendessen war hervorragend und das Hotelier-Ehepaar enorm nett. Bevor ich mich wieder ins Bett lege, publiziere ich hier schon mal den Blogeintrag für heute Freitag. Zur Erinnerung: Dies ist eine Pressereise, bei der wir die Schönheiten und Besonderheiten des Saanenlandes kennenlernen sollen. Gestern abend trafen wir Regina Martin, die ursprünglich Keramikerin war und dann auf Scherenschnitte umsattelte; die sind eine Spezialität der Gegend, auch in meinem Hotelzimmer hängt ein wunderbarer Scherenschnitt. Ich fand die Begegnung interessant, natürlich durften wir mit der speziellen Schere, die ein wenig wie eine Nagelschere aussieht, selber probieren. Was herauskam... nun ja, Frau Martin kann es besser. Lustig fand ich, dass sogar ihre Spezialbrille, die genau auf die Entfernung der Augen zum Papier abgestimmt ist, mit Scherenschnitt-Motiven verziert ist. Alles Weitere zu der Künstlerin aus Schönried, die mehr als genug Arbeit hat, findet man auf ihrer Homepage.

Trauffer ist der Berner Sänger. Das
Plakat stammt von Regina Martin.
P.S. Heute Freitag soll es mit einem Besuch auf dem Rellerli weitergehen. Die Bahn wird nächstes Jahr die letzte Saison fahren, dann läuft die Konzession aus. Was danach kommt, hängt zu einem guten Teil von zwei bekannten Financiers ab, die sich bei den örtlichen, arg darbenden Bergbahnen eingekauft haben - das Rellerli wird wohl eine Art halbprivater Hoger, freilich ist unklar, wie genau; und sicher wird auch das normale Volk irgendwie dort verkehren dürfen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte genau wie die Sache mit Les Arts Gstaad; auch darüber redeten wir gestern. Jetzt lege ich mich noch einmal hin, wer weiss, vielleicht hat mich die Bloggerei schlafreif gemacht - schenke mir Schlaf, grosser Tourismusgott, schenke mir Schlaf.
Regina Martin präsentiert eigene Arbeiten.