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Samstag, 18. November 2017

Das sibirische Halbjahr

"Ich hatte mir vorgenommen, vor meinem vierzigsten Lebensjahr als Eremit in den Wäldern zu leben. Ich zog für sechs Monate in eine sibirische Hütte am Ufer des Baikalsees, an der Spitze des Nördlichen Zedernkaps. Das nächste Dorf 120 Kilometer entfernt, keine Nachbarn, keine Zugangsstrassen, gelegentlich ein Besuch. Im Winter Temperaturen um die minus 30 Grad, im Sommer Bären an den Ufern. Kurz, das Paradies."

Sylvain Tesson, Franzose, ist Geograf und Schriftsteller. Ein Abenteurer, aber auch ein Denker. Eben las ich das Buch, das von seinen sechs Monaten am Baikalsee handelt. Es erzählt von Wodka-Exzessen mit russischen Meteorologen, von der Einsamkeit und den Möglichkeiten, die sie eröffnet, von der Hütte und vom Wald und den nahen Bergen, die Tesson erklimmt; es ist gleichzeitig eine spannende Chronik und ein philosophisches Tagebuch - der Mix hat mich Seite für Seite begeistert.

Was mich einzig leicht irritiert: Auf Youtube kann man sich einen Film anschauen, der Tesson am Baikalsee zeigt. Im Buch ist nicht davon die Rede, dass es diesen Film gibt und wie er zustandekam. Aber toll ist er. Etwas fürs Wochenende.

Freitag, 17. November 2017

Meine Art-Brut-Reise

Ihn besuchte ich: Benno Kaiser in seinem Haus in Südfrankreich.
Mitte Oktober weilte ich reportagehalber in Südfrankreich. Ich bloggte von dort auch, verschwieg aber, warum genau ich nach Villeneuve-les-Béziers gereist war. Hier nun die Auflösung: Ich besuchte den 76-jährigen Art-Brut-Künstler Benno Kaiser, einen St. Galler, der in einem früheren Leben Denner-Werbechef war und vor vielen Jahren ins Languedoc ausgewandert ist. Wer sich für den Mann und seine wilden Werke interessiert - die "Schweizer Familie" mit dem mehrseitigen Artikel kann man ab heute lesen. Ah ja, ein Buch über Benno gibt es neuerdings auch.

Die neue SF enthält übrigens zwei weitere Artikel von mir: zum einen ein Porträt von Marlies Mörgeli, die in Läufelfingen einen Tierfriedhof betreibt. Und zum anderen eine Wanderkolumne, die im Val de Travers spielt.

Donnerstag, 16. November 2017

Pôle muséal

So wird der Platz nördlich am Bahnhof Lausanne in drei Jahren aussehen.
(Bild: Projektskizze Pôle muséal/ Estudio Barozzi & Veiga, Barcelona)
Fährt man von Genf her in den Bahnhof Lausanne ein, passiert man eine Industriebrache. Auf ihr geschieht nicht viel, die SBB warten alte Waggons, das immerhin. Ab 2020 soll sich die Ankunft ganz anders gestalten: Die Lokremise von 1911 wird verschwunden sein; stattdessen werden zwei Neubauten dastehen mit drei Museen darin, die von ihren bisherigen Standorten umziehen wollen: das Musée Cantonal des Beaux-Arts, das Fotomuseum Elysée und das  Designmuseum Mudac. Das neue Museumsquartier auf 22 000 Quadratmetern dürfte Lausannes ein wenig öde Bahnhof-Umgebung deutlich aufwerten. 180 Millionen Franken kostet das Projekt, auf Französisch heisst die Anlage "Pôle muséal".

Mittwoch, 15. November 2017

Bere-Romm-Flade

Die Toggenburger nennen ihn Schlorzifladen, wir Appenzeller aber Bereflade oder auch Bere-Romm-Flade. Göttlich ist er jedenfalls. Am Exemplar, das mir kürzlich im Rössli in Hundwil vorgesetzt wurde, liebte ich auch die Dekoration - schön, oder?

P.S. "Bere" gleich Birne, "Romm" gleich Rahm.

Dienstag, 14. November 2017

Der schrecklich liebe Hirtenhund

Die Cadlimohütte liegt hoch über Airolo im Ritomgebiet auf 2570 Metern über Meer. Toni Kaiser, Chefredaktor von "Schweiz Das Wandermagazin", verbrachte in ihr einen Sommer, ein Zuckerschlecken war das nicht, denn er war Teil des Teams, arbeitete also kräftig mit. Aber fotografiert hat er auch - daraus ist ein schönes Fotoheft entstanden. Es zeigt Andy beim WC-Putzen,  Dania beim Betten, Jana beim Zubereiten des Salats, Alma im Vorratskeller. Und auch Terribile ist zu sehen, der Hirtenhund vom nahen Val Canaria, dessen Schäfer sagt, Terribile sei eigentlich zu lieb für seinen Job. Schrecklich lieb sei er. Daher ja auch der schalkhaft gemeinte Name Terribile.

Montag, 13. November 2017

Sonnenblumenkerneparabel

Der Saal mit den Sonnenblumenkernen. Sie sind ...
... aus Porzellan.
Am Samstag besichtigten wir Lausanne. Und wir besuchten die Ai-Weiwei-Ausstellung. Das war eine Art Schnitzeljagd, man durchstreift das gewaltige Palais de Rumine und dessen Museen von Zoologie über Archäologie bis Geologie sowie natürlich Kunst und sichtet immer wieder mal irgendwo zwischen den guten alten Exponaten (Kalb mit zwei Köpfen, Säbelzahntiger-Skelett, Asbestbrocken, ausgestopfter Igel) ein verschmitzt eingefügtes Objekt von Ai Weiwei, zum Beispiel ein Sextoy zwischen den menschlichen Föten in Formaldehyd. Zwei grössere Installationen des Künstlers einzig durchbrechen das Konzept, indem sie allein für sich stehen. Hier im Bild die Installation "Sonnenblumenkerne". Sie war schon in London zu sehen; dort waren es 100 Millionen Kerne, hier in Lausanne immerhin 10 Millionen. Und zwar keine natürlichen, sondern von chinesischen Handwerkern der alten kasierlichen Manufakturen in Jingdezhen von Hand bemalte Imitate aus Porzellan. Gewaltig - ich glaube, auf so etwas kann nur ein Chinese kommen. Und was soll das? Nun, man könnte angesichts der Menge der Kerne auf das Verhältnis des Einzelnen zur Masse kommen: Kann er seine Individualität gegenüber dem Kollektiv behaupten; sie scheint fragil und lächerlich. Das Thema passt zu Ai Weiwei, der sich bekanntlich mit dem Regime angelegt hat und auch schon im Gefängnis landete. Die Reise nach Lausanne lohnt sich! Bis 28. Januar ist die Ausstellung offen.
Das Atrium des Palais de Rumine mit dem Konterfei von Ai Weiwei.

Sonntag, 12. November 2017

Ganz oben

Das Kili-Diplom. Den Namen der Besitzerin habe ich wegretuschiert.
Gestern wanderten wir nicht. Wir fuhren stattdessen nach Lausanne zur Ai-Weiwei-Ausstellung und besichtigten danach die Kathedrale und die Altstadt. Mehr davon morgen. Hier ein Diplom. Wanderfreundin C., gestern auch dabei, hat es errungen, indem sie kürzlich den Kilimandscharo bestieg. Afrikas höchsten Berg. Geschafft hat man die Unternehmung, die dem Körper ziemlich zusetzt (Sauerstoffarmut), wenn man einen von drei definierten Punkten erreicht:
  • den Uhuru Peak ganz zuoberst auf 5895 Metern;
  • den Stella Point auf 5756 Metern;
  • den Gilman's Point auf 5685 Metern.

Samstag, 11. November 2017

Return of the Streusalz

Winter ist, wenn im Eingang zu meinem Mehrfamilienhaus der Streusalz-Eimer auftaucht; gestern war es soweit. Unser Hauswart verfolgt offensichtlich die Wetterprognosen: Bis Montag soll die Schnellfallgrenze auf 500 Meter fallen.

Freitag, 10. November 2017

Der Ameisler

Ein Ameisler - Zeichnung von 1820.
(Wikicommons)
Gestern stiess ich zuhause beim Lesen auf einen Beruf in Süddeutschland, Österreich und Böhmen, den es längst nicht mehr gibt: den Ameisler. Er sammelte einst die Puppen ("Eier") der Waldameise und verkaufte sie - zum einen dienten diese als Vogelfutter, zum anderen wurden daraus Arzneien gefertigt. Oft waren es arme Bauern, die diese Arbeit im Nebenamt ausübten und also Ameisenhaufen siebten, um die Puppen zu gewinnen.

Donnerstag, 9. November 2017

Ab nach Richterswil, Vallorbe, Biel!

Schön! "Der Stundentanz" von Philippe Robert im Wartsaal im Bahnhof Biel.
(Bild: Wikicommons)
Was haben die Bahnhöfe von Richterswil ZH, Vallorbe VD und Biel BE gemeinsam? Jawohl, alle diese Orte haben einen stilvollen alten Wartsaal - eine Einrichtung, die andernorts längst ganz verschwunden oder durch Umnutzungen entstellt worden ist. Die NZZ brachte zu diesem Thema gestern eine schöne Geschichte. Auch Flüelen kommt vor. Im dortigen Bahnhof gibt es einen denkmalgeschützten Wartsaal mit dem Heinrich-Danioth-Wandbild "Föhnwacht" von 1944. Doch leider ist der Raum durch einen Kiosk beeinträchtigt. Eine Frau von der SBB nennt einen Grund, warum aus ihrer Sicht ein Kiosk manchem Wartsaal durchaus gut tut: "Die Anwesenheit von Kioskangestellten erhöht die Sicherheit der Wartenden und schützt vor Schäden." Ist schon wahr, die Vandalen sind heutzutage überall. Schade ist das trotzdem.

Mittwoch, 8. November 2017

Baselbieter Gipsgeschichte



Am Montag war ich für einen Artikel in Läufelfingen BL, er wird sich dem dortigen Tierfriedhof widmen. Die Betreiberin sagte mir im Gespräch, dass ihr Friedhof auf dem Gelände einer alten Gipsfabrik liege, deren Gebäude samt und sonders verschwunden seien, wenn man vom Trafoturm absehe. Sie empfahl mir einen Youtube-Clip von fünf Minuten Länge, der die Geschichte der 1984 stillgelegten "Gipsi" aufgreift. Diese verarbeitete Gipsgestein aus dem Nachbarort Zeglingen; Arbeiter brannten das Gestein in einem Ofen und machten es so mürbe; anschliessend wurde das Material zermahlen zu Gipsmehl. Hübsch fand ich die Art und Weise, wie der Aushub von Zeglingen in die Gipsi geschafft wurde: mit einer Seilbahn. Sechs Kilometer lang war sie und war damit die längste Seilbahn der Schweiz. Leider gibt es sie auch nicht mehr. Immerhin kommt in dem Clip ein ehemaliger Arbeiter der Gipsi zu Wort, der erzählt, dass er als Bub mit anderen Kindern aus dem Dorf gern ein Stück mit der Seilbahn mitfuhr. Die Kinder hängten sich einfach an die Wägeli und sprangen ab, sobald sie in Sichtweite Erwachsener kamen. Uff, gefährlich.

Dienstag, 7. November 2017

Das Diplomatendessert aus Deutschland

Der Nesselrode. Nicht der Coupe, der Mann!
(Bild: Wikicommons/ Franz Krüger)
Unter den Coupes ist der Nesselrode im Herbst mein Liebling - diese Kombination aus Rahm, Vanilleglace, Meringue und Vermicelles: Himmel! Kürzlich hatte ich einen Nesselrode im Restaurant des Zürcher Kunsthauses und fragte mich, woher der Name kommt. Nun, es gibt ein westdeutsches Adelsgeschlecht Nesselrode. Ein Spross desselben war Karl Robert Graf von Nesselrode. Er nahm als Diplomat am Wiener Kongress teil, der Neuordnung Europas nach den napoleonischen Turbulenzen in den Jahren 1814 bis 1815, und soll dort Bekanntschaft mit dem Spitzenkoch Marie-Antoine Carême gemacht haben, der dann ein Dessert nach ihm benannte. Genauer kann man die Geschichte nicht wiedergeben, sie ist und bleibt in den Details spekulativ.

Montag, 6. November 2017

Reisen wie Churchill

Gestern, unterwegs zu einem innerfamiliären Brunch, fotografierte ich im HB Zürich diesen Sonderzug. Die Leute, die einstiegen, taten dies ebenfalls im Zeichen des Brunchens. Die Route für ihre Frühstück-Fahrt: Zürich (ab 10.15)  - Rapperswil - Pfäffikon - Thalwil - Horgen Oberdorf - Knonau - Zürich. Der Rote Doppelpfeil war an der Schweizer Landesausstellung 1939 vorgestellt worden und zog sich seinen Beinamen "Churchill" sieben Jahre später zu, als Winston Churchill in ihm durchs Land reiste. Wer auch mal in dem knallroten Ausflugsvehikel der SBB brunchen möchte: Hier geht es zu den nächsten buchbaren Terminen.

Sonntag, 5. November 2017

Fufluns? Fufluns!

Beim Objekt rechts handelt es sich um eine etruskische Feldflasche.
Die Etrusker hatten lange den Ruf des mysteriösen Volkes. Woher sie kamen - darüber rätselte schon die Antike. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot etwa meinte, sie stammten aus Kleinasien, also der heutigen Türkei. Heute ist klar: Die Etrusker sind ein italisches Urvolk, amalgamiert aus diversen früheren Bevölkerungsgruppen. Die Römer, ihre Nachfolger oder auch Erben oder auch Überwinder, nannten sie "Tusci", von da stammt das Wort "Toskana", das also soviel heisst wie "Etruskerland". Im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen läuft derzeit und die nächsten Monate eine grosse Etrusker-Ausstellung. Ich besuchte sie gestern und erfuhr viel über diese Zivilisation der Landschaft zwischen Rom und Florenz, die weniger im Krieg brillierte als durch ihre stupende Fähigkeit der Metallverarbeitung (Eisenerz von Elba) und durch die Anbahnung europaweiter Handelsbeziehungen. Ein Wort, das mir bleiben wird, weil es irgendwie irreal klingt: Der etruskische Gott des Weines hiess Fufluns. Womit wir bei dem einzigen Mysterium wären, das punkto Etrusker weiterbesteht: Ihre Sprache ist nach wie vor weder befriedigend übersetzt noch einer der grossen Sprachgruppen zugeordnet.

Samstag, 4. November 2017

Früher waren die Füsse kleiner

Markus Scheer, 45-jährig, ist Schuhmachermeister in Wien und leitet in siebenter Generation das Familienunternehmen; schon Franz Kafka liess sich dort Schuhe fertigen. Eben las ich Scheers Buch "Der Fuss weiss alles", eine Neuerscheinung. Es erzählt in kurzen Kapiteln von den Anfängen des Gehens, vom guten und vom schlechten Schuh, vom Wesen des Fusses und von heutigen Degenerationsbeschwerden. Drei von etlichen Dingen, die ich lernte:
  • Die älteste Ahle eines Schuhmachers, die zum Vernähen der Lederteile dient, ist rund 120 000 Jahre alt.
  • Bis zum 18. Jahrhundert waren bei einem Paar Schuhe beide Teile absolut identisch. 
  • Eine Absatzhöhe von vier Zentimetern bei Männern war noch im 19. Jahrhundert gang und gäbe. Der Mann stand so strammer. Und: Die Menschen in besagtem Jahrhundert hatten deutlich schlankere und zartere Füsse als wir Heutigen. Frauenfüsse waren im Schnitt um zwei, Herrenfüsse um drei bis vier Schuhummern kleiner als heute. Belegen lässt sich das anhand der Leisten, die im Hause Scheer aufbewahrt werden.

Freitag, 3. November 2017

Eibeler?

Inwil, der Ortseingang.
(Bild: Dietrich Michael Weidmann/ Wikicommons)
Maurmer
Schliermer
Turgemer
Ustermer...

... und so weiter und so fort. Wie kommt eigentlich das M in solche Ortsadjektive und die davon abgeleiteten Einwohnerbezeichnungen? In der neuen "Schweizer Familie", gestern erschienen, findet man die Erklärung: An manche Ortsnamen wurde die Endung -heimer gehängt, um das Adjektiv zu bilden; dabei wurde dieses -heimer gleichzeitig gekürzt zu -mer. Der erwähnte Artikel kommt von mir und besteht zur Hauptsache aus einer Liste mit lustigen Ortsadjektiven. Hier bloss ein Appetizer, wer das Ganze lesen will, soll bitte das Heft kaufen, wir Journalisten wollen ja auch leben: Jemand, der in Inwil im Kanton Luzern wohnt, ist nicht etwa ein Inwiler. Sondern ein Eibeler.

Donnerstag, 2. November 2017

Katholischer Kleidercode

Im Landesmuseum Zürich: ein paar der Mariengwändli.
Gestern war ich im Landesmuseum in Zürich in der Ausstellung "Kloster Einsiedeln. Pilgern seit 1000 Jahren". Beeindruckend die dort im zweiten Stock ausgebreiteten Schätze aus Einsiedeln: Marienkronen aus Gold, uralte Handschriften und Bücher noch und noch, Heiligenstatuen und Gemälde und und und. Besonders gefielen mir die Mariengewänder. Bis zu 20 Mal im Jahr kleiden die in Einsiedeln ihre Schwarze Madonna neu ein; sie ist ja auch der Star des Klosters, sie ist es, die die Pilger aus aller Welt anzieht. Die Tenüwechsel orientieren sich am liturgischen Kalender. Die vier Hauptfarben der kostbaren Gwändli sind Weiss, Violett, Rot und Grün. Hier der Farbcode für alle Nichtinsider (inklusive mich selber, bin ja reformiert):
  • Weiss: Trägt die Madonna zu Weihnachten und Ostern.
  • Violett: Steht für die Fasten- und Adventszeit.
  • Rot: Ist Pfingsten zugeordnet, den Märtyrerfesten und dem Todestag des heiligen Meinrad, auf den das Kloster zurückgeht.
  • Grün: Verkörpert die Standardfarbe zu allen anderen Zeiten des Jahres.
Daneben trägt die Madonna manchmal auch Blau. Dies an den Marienfesten. Blau spielt auf den Himmel an, Maria ist bekanntlich die Regina coeli, die Himmelskönigin. Uff, komplizierte Sache. Die Ausstellung läuft noch lange, bis 21. Januar 2018.

Mittwoch, 1. November 2017

Ausserrhoden, eine einzige Fabrik

Hier wurde garantiert einst gewoben: Höckli in Stein AR.
Ich habe die "Appenzellischen Jahrbücher" abonniert, Ehrensache. Die mir vorgestern zugegangene Ausgabe 2017 widmet sich der textilen Vergangenheit beider Appenzell, und die ist eindrücklich. Vor allem die von Ausserrhoden: Dessen Bevölkerung wächst von 1667 bis 1794 von 19'300 auf 39'414 Personen. Um 1800 ist Appenzell Ausserrhoden mit 155 Einwohnern pro Quadratkilometer neben den zwei Stadtkantonen Basel und Genf der am dichtesten besiedelte Kanton der Schweiz. Es ist eine einzige Fabrik, zugespitzt formuliert, ganze Familien finden ihr - mageres - Auskommen im textilen Bereich. Zu Tausenden weben, sticken, spinnen, bleichen, färben sie; um 1830 verdienen bloss noch 20 Prozent der Leute ihren Lebensunterhalt vorwiegend mit der Landwirtschaft. Typisch ist die kinderreiche Weberfamilie, die in einem winzigen Höckli haust und allenfalls ein, zwei Kühe hält. Wer mehr wissen will, lese es nach, man kann das Jahrbuch bestellen. Nebenbei ist es übrigens auch ein Wanderführer: Es schlägt nämlich einen Dorfrundgang durch Rehetobel vor und macht mit einer Karte und tollen Fotos Lust, dort ausgewählte Häuser kennenzulernen, die einst Stickerei waren oder Stickerhaus, Fabrik oder Fabrikantenvilla.

Dienstag, 31. Oktober 2017

Bündner Schneekompetenz

Skigebiet Parsenn, Schneekanonengebiet.
Das Foto kam per Mail mit der Medienmitteilung.
Gestern erreichte mich von den Davos-Klosters-Touristikern die Meldung, dass man dort als erstes Nichtgletscher-Skigebiet bereits nächstes Weekend die Skisaison eröffnet. Ein Teil der Bahnen und Pisten wird also schon im Frühestnovember offen sein. Das heisst: massiver Schneekanoneneinsatz. Ins Auge stach mir beim Lesen der Medienmitteilung folgender Satz: "Am kommenden Wochenende beweist Davos Klosters erneut seine Schneekompetenz."

Montag, 30. Oktober 2017

Die Feuerräder von Matt

Das Wappen von Matt GL.
(Bild: Ambroix/ Wikicommons)
Ortswappen sprechen zu uns, sie erzählen von entschwundenen Adelsgeschlechtern, breiten örtliche Legenden aus, weisen auf geografische Gegebenheiten oder transportieren Historie. Dasjenige von Matt im Sernftal, Kanton Glarus, berichtet von einem dörflichen Brauch. Beim Schybefleuge werden zur Zeit der Fasnacht glühende Holzscheiben des Nachts durch das Dunkel geschleudert. Sieht gut aus, das Wappen.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Grenzwertig

Wiechs, Deutschland, vor dem Rathaus: Grenzabtausch-Gedenktafel.
GB auf den Grenzsteinen steht für "Grossherzogtum Baden".
Das südbadische Dorf Wiechs am Randen ist auf drei Seiten von Schweizer Territorium umschlossen, nur gegen Norden hängt es mit Deutschland zusammen. Wer es auf der Karte sucht: Bargen SH anpeilen, Wiechs liegt drei Kilometer östlich! Soweit die Geografie. Als ich diese Woche in Wiechs durchkam, fielen mir vor dem Rathaus mehrere Grenzsteine auf, die dort quasi unkoordiniert herumstanden. Ein Schild erläuterte, dass es sich um überflüssig gewordene Grenzmarkierungen handle, die man zur Erinnerung aufgestellt habe. Womit wir beim Verenahof wären. Diese Gruppe von drei Häusern war lange eine Exklave von Wiechs, von diesem durch einen 300-Meter-Streifen schaffhausisches Gebiet getrennt. Lustigerweise waren die paar Leute von Wiechs in der Exklave reformiert, während alle anderen Leute von Wiechs katholisch waren - da zeigte sich wohl der Einfluss der reformierten Schaffhauser. 1964 kam es zu einem Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Deutschland. Der Verenahof kam dadurch in Schweizer Besitz, die Schweiz revanchierte sich mit Boden an einem anderen Ort. Seither, genauer gesagt seit dem Inkrafttreten der Regelung 1967, gehört der Verenahof zu Büttenhardt SH. Schön grenzwertig, diese Geschichte, oder?
Eine Karte von 1798 mit der Exklave Verenahof. Die Grafschaft Tengen
war damals österreichisch, später  wurde Tengen samt Verenahof deutsch.
Heute gehört der Verenahof zur Schaffhauser Gemeinde Büttenhardt.
(Bild: ReinerausH/ Wikicommons)

Samstag, 28. Oktober 2017

Mutterzieh

Also das Gemeindewappen
von Avenches scheint mir
politisch eher unkorrekt.
(Wikicommons)
Donatyre im Kanton Waadt ist seit längerem eingemeindet und Teil von Avenches. Mir gefällt sein deutscher, leider nicht mehr gebräuchlicher Name: Mutterzieh. Und à propos: Avenches hiess auf Deutsch einst Wiflisburg. Allen ein schönes Wochenende.

Freitag, 27. Oktober 2017

Das Guggershörnli der Schaffhauser

Am Mittwoch eine dreistündige Wanderung, die zu einem Drittel im Schaffhausischen und zu zwei Dritteln in Deutschland spielte. Die Route: Merishausen, Im Kerr (Bus) - Chörblitobel - Gmaafeld - Cholrüti - Jakobsfelsen - Cholrüti - Verenafohren, Windturbine 1 - Windturbine 2 - Rütte - Wiechs, Kirche - Harzen - Hebsäcker - Schenebüel - Bargen, Bus (399 Meter auf-, 316 abwärts). Drei Dinge, die ich entdeckte, möchte ich zeigen.
Der Jakobsfelsen steht an der Kante des Steilwaldes über Merishausen. Er ist
sozusagen das Guggershörnli der Schaffhauser mit seiner Treppenleiter und
der befestigten Plattform. In meinem Blog kam er einmal vor, hier der Link.
Wenig später war ich auf deutschem Gebiet. Zwei riesige Windturbinen
markierten die Hochfläche über Wiechs. Was mich schockierte: Wieviel
Waldfläche für diese "ökologischen" Installationen gerodet werden musste.
Die Servicestrasse schien mir ebenfalls, zum Teil wenigstens, neu angelegt.
Ein herrlicher Moment der Wanderung: Austritt aus dem Wald, unter mir
zeigte sich die markant gelbe Herz-Jesu-Kirche von Wiechs samt dem Dorf.
Hinten einer der Vulkankegel des Hegau; welcher es ist, weiss ich nicht.

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Pregenzer pretter

Gestern bloggte ich über die 12 Zähringerstädte, zählte sie auf und fühlte mich sehr schlau. Bis Freund Stephan auf Facebook, wo der Blogeintrag jeweils gelinkt ist, eine 13. Zähringerstadt nannte: Haslach im Kinzigtal. Nie gehört, stimmt aber. Ich will mir Mühe geben, bald mal an einem freien Tag ein wenig nachzuforschen, wie das mit den Zähringerstädten ist; würde mich nicht wundern, wenn noch eine 14. auftauchte (Offenburg?). Ich nehme an, da dürfte ein zweiter Eintrag folgen.

Seit 1596 wirten sie im "Gemeindehaus" in Merishausen SH.
Meine Wanderung führte mich gestern in den Reiat, ins Grenzgebiet Kanton Schaffhausen - Südbaden. Ich möchte darüber morgen berichten und heute vorgezogen bloss Frust und Lust des Tages erwähnen. Zuerst zum Frust. Wenn die S9 aus Zürich in Schaffhausen mit drei Minuten Verspätung um 8 Uhr 37 eintrifft, darf man doch wohl erwarten, dass der Bus mit Abfahrt 8 Uhr 37 Richtung Bargen ein Minüteli oder so wartet. Tat er nicht, der Fahrer fuhr punktgenau ab. "Sture Bock", dachte ich und war so hässig, dass ich, statt 59 Minuten auf den nächsten Bus zu warten, ein Taxi zu meinem Startpunkt in Merishausen nahm. 30 Franken pauschal, der Fahrer war lustig, mich reute es nicht, Zeit ist Geld und Geld ist Zeit. Nun zur Lust. Am Schluss der Wanderung in Bargen gab es keine offene Beiz. Ich nahm den Bus nach Merishausen und zmittagte im Gemeindehaus. So heisst ein Restaurant, das erstens sehr, sehr gut und preiswert kocht (ich hatte Suppe, Salat, Schweinehalsbraten mit Kartoffelgratin und Gemüse für 19 Franken, alles grossartig). Und zweitens ist dieses Restaurant schon über 400 Jahre ein Restaurant. Die Treppengiebel signalisieren draussen, dass es sich um ein historisches Haus handelt. Und die Gaststube mit der Eichenstütze - diese stammt aus der Bauzeit - steht unter Denkmalschutz. Holz für das Restaurant kam übrigens aus dem Vorarlbergischen, ein Dokument von damals erwähnt "zwei Fuder Pregenzer pretter". Ich empfehle die Einkehr in dem herrlichen Lokal allen.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Neuenburg am Rhein...

Freiburg. Das im Uechtland.
Das Uechtland, französisch "La Nuithonie", erstreckt sich von Freiburg nach Bern, laut einer weniger gängigen Definition gehört auch Solothurn zum Uechtland. Man vermutet einen keltischen Ursprung des Namens, mehr kann die Wissenschaft nicht sagen. Überlebt hat die etwas kryptische Ortsbezeichnung als Namenszusatz zu unserem Freiburg: "Freiburg im Uechtland" - so kann man dieses vom deutschen Freiburg im Breisgau unterscheiden. Wiederum haben die beiden Freiburg aber etwas gemeinsam. Sie sind beide Zähringerstädte, wurden also von den Zähringern gegründet.

Kann jemand alle 12 Zähringerstädte aufzählen?  Ich kam bloss auf 7. Hier die vollständige Liste.

Bern
Bräunlingen
Burgdorf
Freiburg im Breisgau
Freiburg im Uechtland
Murten
Neuenburg am Rhein
Rheinfelden
St. Peter im Schwarzwald
Thun
Villingen-Schwenningen (Villingen)
Weilheim an der Teck

Dienstag, 24. Oktober 2017

Abschied von der kleinen Gelben

Lange fährt sie nicht mehr.
Die Seebodenalp - das ist eine weite Terrasse auf halber Höhe zwischen Küssnacht und Rigi im Kanton Schwyz. Eine hübsche kleine gelbe alte Luftseilbahn fährt von Küssnacht hinauf. Aber nur noch bis und mit 5. November. Dann wird sie aus dem Verkehr gezogen, die Konzession läuft ab, eine Erneuerung lohnt sich nicht. Das Nachfolgemodell soll im Juni 2018 starten; statt wie bisher 80 können 100 Personen pro Stunde transportiert werden.

Montag, 23. Oktober 2017

Warten auf den Bus

Vor drei Wochen berichtete ich von Teo, einem Klappsitz, der im Kanton Zürich an einigen Bushaltestellen provisorisch installiert ist. Mein Studienfreund Kurt schickte mir darauf Fotos von seinen zwei Wohnorten; beide zeigen sie Bus-Wartehäuschen. Das eine steht oberhalb von Brienz im Kanton Bern. Und das andere in Homt Souk auf der Insel Djerba in Tunesien.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Schöne Glarnerei (II)

Gestern glarnerte ich schon wieder. Freilich startete ich diesmal nicht im Tal der Linth, sondern des Sernf; Kleintal also statt wie am Mittwoch Grosstal. Der Anfang war brutal, von Engi stieg ich mehr oder weniger in der Falllinie die steile Flanke hinauf zur Altstafelrus. Der Höhenweg hernach war vergleichsweise ein Spaziergang. Er führte mich - bei grossartigen Weit- und Tiefblicken - hinüber zu den Weissenbergen. Dort tat ich zwei Dinge nicht, die ich des öftern tue. Weder kehrte ich ein noch nahm ich die Seilbahn talwärts. Stattdessen wählte ich den Fussweg hinab nach Matt; er war so grausam coupiert wie der Weg am Morgen. In Matt stellte ich fest: knapp 3 1/2 Stunden gelaufen, 705 Meter auf- und 675 abwärts. Das klingt nicht nach viel. Aber die Route hatte es in sich gehabt, ich war so geschlaucht wie glücklich. Und jetzt würde ich am liebsten gleich wieder glarnern. Wer weiss.
Traumbänkli einige Zeit vor den Weissenbergen. Unten das Tal des Sernf.
Komfortable Moorpassage auf dem Altmannberg einige Zeit zuvor.
Oha, es geht abwärts: das letzte Stück vor Matt. Hinten das Chrauchtal.
Matt kam in Sicht, und gleichzeitig zeigte sich die Sonne.
Matt: die Seilbahn, die ich nicht nahm.

Samstag, 21. Oktober 2017

Ich sah kein Wisent

Wiesendangens Wappen. Es zeigt
kein Wisent-, sondern ein
Steinbockgehörn. (Wikicommons)
Kürzlich weilte ich in Wiesendangen ZH und war enttäuscht, weil ich kein Wisent sah, obwohl ein solches im Ortsnamen steckt; immerhin, das kompensierte den Mangel ein wenig, erblickte ich in Wiesendangen, dessen hinterer Namensteil mit "Wang" gleich "Halde" zu deuten ist, das Restaurant Wisent - schön, dass es noch Restaurants mit einem historischen Bewusstsein gibt.

Freitag, 20. Oktober 2017

Weltrekord in Walenstadt

Riesenpbroblem: Steinschlag, hier in Deutschland.
(Bild: Xocolatl/ Wikicommons)
Montag dieser Woche: Bei Walenstadt versammeln sich in einem stillgelegten Steinbruch rund 400 Fachleute aus 42 Ländern. Sie erleben einen Weltrekord. Ein 25-Tonnen-Felsblock wird mit einem Kran hochgehievt, wird dann ausgeklinkt und bringt es auf eine Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern, bis er nach 42 Metern Fall auf ein Steinschlag-Schutznetz trifft. Das Netz hält dem Block stand und stoppt diesen sicher. Eingeladen zu dem Test hat die Firma Geobrugg AG aus Romanshorn, die Sicherheitsnetze herstellt. Ihre neueste Entwicklung soll im November einem letzten Test unterzogen, alsbald zertifiziert und in Serie hergestellt werden - Steinschlag in den Bergen nimmt zu, das Bedürfnis nach solchen Installationen wächst. Gelesen habe ich das alles am Mittwoch in der "Südostschweiz".

P.S. Interessante Firma, diese Geobrugg. Was die dort alles herstellen! Man schaue sich die Homepage an.

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Der Hoodie-Wanderer

Endlich oben! Die Orenplatte, 1377 Meter, ist erreicht. Gleich gibts Aussicht!
Einige Zeit zuvor: Blick vom Boden zum Brunnenberg.
Klein und braun unter der Bildmitte die Seilbahn-Bergstation.
3 1/2 Stunden gewandert, 880 Meter auf- und 200 abgestiegen - das sind die Zahlen zu meiner Glarner Wanderung von gestern. Sie fing mit einem Fehler an, der wiederum auch sein Gutes hatte, wie sich am Schluss herausstellte: Ich fuhr viel zu früh los, erst in Ziegelbrücke wurde es langsam hell. Kurz nach acht Uhr war ich am Bahnhof Luchsingen-Hätzingen und geriet in eine grässliche Morgenkälte. Das Tal der Linth lag in diesem Abschnitt noch im Schatten, ich erfror fast in meinem dünnen Jäckli und zog als erstes die Pelerine über den Kopf, war also im Hoodie-Look unterwegs. Aber es wurde bald besser, man heizt schnell auf beim Wandern. Mein Rot-Weiss-Pfad via Bränd zur Orenplatte durch den steilen Buchenwald wärmte mich nachhaltig. Auf der Orenplatte genoss ich die Sonne und das Rundpanorama mit dem Gros der Glarner Berge samt dem Tödi. Der Rest war Spazieren: vorbei an jungen Männern, die in einer sumpfigen Stelle einen Bretterweg neu bauten, erreichte ich schnell den Rand von Braunwald; die Wegmacher waren übrigens meine ersten Menschen, die ich unterwegs traf. Weiter unten im Dorf Braunwald freilich kamen mir Scharen von Wanderern entgegen, und auch die von unten eintreffende Standseilbahn bei der Station war übervoll. Und so hatte meine so früh begonnene Unternehmung sehr wohl ihr Gutes: Ich ging, als die anderen kamen. Übrigens: Dies ist eine wunderbare Route mit viel Tiefblick und gekonnt in die Bergflanke gelegten Stegen und Wegen, an einer Stelle hängt der Fels charmant über. Jederzeit würde ich die Route wiedermachen, wenn da nicht noch so viele andere auf meiner Wunschliste stünden.
Zwischen Orenplatte und Braunwald: Junge Männer erneuern einen Bretterweg.

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Etwas Dunkles zu Klaus

Die Baltschiederklause. (Bild: Alex
Saunier, Camptocamp.org/ Wikic.)
Ich frage mich gerade, warum die Baltschiederklause, über die ich kürzlich bloggte - warum diese erhaben gelegene Walliser SAC-Hütte, in deren Namen der Stifter Julius Klaus aus Uster verewigt ist, auf ihrer Homepage mit keinem Wort auf Klaus eingeht. Liegt es daran, dass besagter Klaus, 1849 bis 1920, von Beruf Maschineningenieur und ein reicher Fabrikant, Rassenhygieniker war, was man hier nachlesen kann. Die Nazis leiteten aus dieser Lehre später ihre Art von Rassendenken ab, zu dem es gehörte, bestimmte Menschengruppen als minderwertig zu taxieren, zu isolieren und zu töten.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Reisen bildet

Denim, das ist der blaugefärbte Baumwollstoff, aus dem die Jeans sind. Was mir bisher nicht bekannt war: Das Wort leitet sich ab von einem Stoff, der im französischen Nîmes gefertigt wurde, Serge de Nîmes. Gestern kam ich in Nîmes durch, las nach, was es zu der Stadt zu wissen gibt, entdeckte die Denim-Etymologie - ja, Reisen bildet. Es liefert Wissensstoff.

Montag, 16. Oktober 2017

Die kleine Wasserwanderung

Heute um 7.19 Uhr verlasse ich Béziers. Der TGV wird mich nach Dijon tragen, dort habe ich fast zweieinhalb Stunden Aufenthalt. Dann geht es heim. Gestern war im Languedoc, wo ich für eine Reportage war, Zeit für ein wenig Tourismus. Ich wanderte ein paar Kilometer den Canal du Midi entlang, der von Toulouse über 240 Kilometer nach Sète am Mittelmeer führt. Ihn gibt es bald 350 Jahre, immer wurde an ihm gebaut und gebastelt, und während er einst eine wirtschaftlich wichtige Wasserstrasse war, die via Garonne und später einen Garonnekanal zum Atlantik führte, handelt es sich heutzutage um eine bloss noch touristisch relevante Einrichtung: Man sieht auf dem Kanal Freizeitschiffer noch und noch, es gibt schwimmende Hotels und immer wieder mal ein Schleusen-Restaurant. Eine Woche den Kanal entlang zu wandern: Das wäre denkbar, ich will die Idee evaluieren. Aber zuerst wird jetzt heimgereist. Zu den Fotos: Sie spielen am Canal du Midi in der Gegend von Béziers und Villeneuve-les-Béziers.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Baselbieter Wiederauferstehung

Lauschig, doch schon einige Zeit zu:
der Predigerhof auf dem Bruderholz.
In die kilometerweit sich ziehende Hochfläche des Bruderholzes teilen sich die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft, der Name leitet sich offenbar davon ab, dass einst fromme Eremiten sich hier niederliessen. Das Gelände ist beliebt, Städter und Agglobewohner joggen, spazieren, velölen, sie ergötzen sich an der Weite und freuen sich am Fernblick. Mitten drin aber liegt auf Reinacher Gelände der Predigerhof, eine Ausflugswirtschaft, in der einzukehren über Jahrzehnte ein Sonntagsritual war. Bis sie vor zwei Jahren schloss. Das Wirtepaar war das Wirten müde und litt zudem unter einer Baustelle. Seither empfinden Bruderholz-Besucher rundum das Gefühl eines intensiven Verlustes. Doch gibt es nun Hoffnung: Nächstes Jahr dürfte das Restaurant für alle wieder öffnen - unter neuer Führung und in Kombination mit einem Schau- und Lehrgarten.
Freizeitterrain: Velofahrerin auf dem Bruderholz.