Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Samstag, 23. September 2017

Bei Schänis traf ihn die Kugel


Der General Hotze ritt an jenem Septembertag des Jahres 1799 aus, um die Gegend um Schänis zu erkunden - wo stand der Feind? Nun, Hotze hatte dessen Position wohl verkannt, jedenfalls endete sein Leben durch eine französische Kugel. In Schänis gibt es ihm zu Ehren einen General-Hotze-Weg. Geht man auf diesem Richtung Sebastiankapelle am Waldrand, passiert man den Gedenkstein an exakt jener Stelle, wo Hotze fiel. Der hiess eigentlich gar nicht so schneidig-preussisch. Als Johann Konrad Hotz wurde er 1739 in Richterswil in eine wohlhabende Familie geboren, entschied sich in jungen Jahren für eine Offizierskarriere, stieg in der russischen und später in der österreichischen Armee auf. Als Napoleon sich im Gefolge der grossen Revolution daran machte, das monarchische Europa zu zerschlagen, war klar, dass Hotze sich für die alte Ordnung einsetzen würde; ein Anliegen war ihm besonders, dies auf dem Gebiet der Eidgenossenschaft zu tun. Dort ereilte ihn im Alter von 60 Jahren bei besagtem Ausritt das Verhängnis.

Freitag, 22. September 2017

Liebeserklärung an einen Berg

Blick aus dem Bürgenstock-Bähnli.
Ende August waren wir auf dem Bürgenstock; wir benutzten das neue Zubringerschiff von Luzern nach Kehrsiten und im Anschluss die Standseilbahn. Gestern nun kam in der NZZ eine ganze Seite zum Bürgenstock, seiner Erschliessung, der Luxushotellerie; man darf von einer - kenntnisreichen - Liebeserklärung an den touristischen Berg reden, der in den letzten Jahren völlig umgestaltet wurde.

Donnerstag, 21. September 2017

Romanshorns Maskottchen

Vor Jahren stiess der Gemeindearchivar von Romanshorn auf ein Manuskript mit einer alten Legende. Gemäss ihr soll einst ein Fabelwesen mit Horn - im Verbund mit einem Fischer namens Roman - den Ort am Bodensee vor einer Feuersbrunst gerettet haben. Seit 2003 steht das Fabelwesen als Denkmal vor dem Bahnhof. Und grinst. Denn das Ganze war eine Fiktion des Künstlerduos Com & Com, das mit den Behörden zusammengespannt hatte. Eine Erfindung war diese Legende, was wiederum nicht allen gefiel, als es offenbar wurde. Aber Mocmoc ist seither Realität, wie ich gestern feststellte, als ich den Bahnhof verliess und es auf seinem Sockel sah. Romanshorn ist zu einem Maskottchen gekommen, das halb Pokemon und halb Badewannen-Ente ist oder halb Einhorn und halb Seepferdchen.

Mittwoch, 20. September 2017

Exklusiv sterben


Es waren in Zürich-Stadelhofen einmal zwei prächtige Friedhöfe, beide waren sie um die Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet worden. Der eine ging dann allerdings schon bald wieder ein, er starb, sozusagen, musste dem Bau der Kantonsschule Hohe Promenade weichen. Den benachbarten Friedhof, gestaltet im englischen Stil, gibt es bis heute. Der Friedhof Hohe Promenade ist der einzige private Friedhof der Stadt Zürich, abgesehen von den jüdischen Friedhöfen. Ich wusste von seiner Existenz gar nichts, bis wir letzte Woche abends im Ausgang vorbeibummelten. Die meiste Zeit ist das Tor zum Friedhof, den ein Verein verwaltet, verschlossen; einfach mal durchspazieren geht also nicht.

Auf diesem Friedhof begraben ist Hans Konrad Escher von der Linth, Pionier der Linthsanierung Die ihm gewidmete Ausstellung in Schänis habe ich gestern erwähnt.

Dienstag, 19. September 2017

Ein Mann vieler Talente und Neigungen

Hans Konrad Escher um 1820, Kupferstich.
(Wikicommons/ A. Bouvier)
Hans Konrad Escher, 1767 in eine habliche Zürcher Fabrikantenfamilie geboren, war ein Mann vieler Talente und Neigungen - er war keiner, der sich auf dem Geldpolster ausruhte. Er reiste ausgiebig durch Europa, arbeitete im Geschäft des Vaters, brachte es als Politiker zu Bekanntheit, hielt aber auch Vorlesungen über Politik und Wirtschaft. Zudem war er leidenschaftlicher Geologe sowie ein grossartiger Zeichner von Gebirgsansichten. Sein Lebenswerk ist die Korrektion der Linth, die er massgeblich einleitete und anleitete; die zuvor versumpften Gebiete zwischen Walensee und Zürichsee wurden durch ihn und die zwei grossen Kanäle Escherkanal und Linthkanal zu wertvollem Kulturland. Postum - er starb 1823 - verlieh ihm der Kanton Zürich den erblichen Ehrentitel "von der Linth". Escher von der Linth: ein Pionier der modernen Schweiz, der hartnäckig den Nutzen der Allgemeinheit im Auge behielt und eine Aufgabe anpackte, die gleich vier Kantone betraf: St. Gallen, Glarus, Schwyz und Zürich. In Schänis ist Escher von der Linth derzeit und noch bis Mitte Oktober eine kleine und feine Ausstellung gewidmet, ich besuchte sie am Sonntag und genoss es, etwas mehr über den Mann und sein Lebenswerk zu erfahren.
Nach dem Besuch der Ausstellung spazierte ich von Schänis nach
Ziegelbrücke. Am Linthkanal.

Montag, 18. September 2017

"Die Freiheit war seine Braut"

Auf der Hülftenschanz. Meine Wandergspändli schienen von den
heroischen Inschriften nicht sonderlich beeindruckt.
Am Samstag gingen wir vom Bahnhof Frenkendorf-Füllinsdorf hinauf nach Frenkendorf, zogen zur Hülftenschanz, setzten bald über die Ergolz, machten einen Abstecher zu einer unterirdischen Wasserleitung aus der Römerzeit, kamen in die Römerstadt Augusta Raurica (Amphitheater, Theater, Tempel), erreichten danach den Rhein und folgten ihm via Schweizerhalle und den Hardwald bis zum Restaurant Waldhaus. Der Rest war ein Auslaufen, in 20 Minuten langten wir beim Endpunkt der Route an, der Tram-Endschleife Birsfelden, Hard. Die Wanderung dauerte knapp vier Stunden und bot immer neue Höhepunkte. Hier ein paar ausgewählte:
Mmm, Fisch.
  • Die Hülftenschanz. 1833 besiegte auf ihr das aufmüpfige Landvolk die Stadt. Damit war der Weg frei für die dauerhafte Etablierung des Kantons Basel-Landschaft. Eine Inschrift auf einem Obelisken erinnert an den in der Schlacht gefallenen Obergerichtsschreiber Heinrich Hug, er wurde als Toter zum ersten Ehrenbürger des jungen Kantons ernannt. "Die Freiheit war seine Braut, für sie ging er gerne in den Tod" stand da zu lesen. Oh Gott, was für ein Pathos.
  • An mehreren Stellen ist die römische Wasserleitung zugänglich, die unterirdisch über 6,5 Kilometer von Lausen nach Augusta Raurica verläuft. Wir besichtigten sie beim Standort Wölferhölzli in Füllinsdorf. Die Leitung verschaffte jedem der 20 000 Einwohnerinnen und Einwohner von Augusta Raurica 1300 Liter Wasser pro Tag. Heutige Schweizer brauchen pro Tag gut 160 Liter. So stand es auf der Tafel. 
  • Augusta Raurica, heute Augst BL, ist halt immer wieder toll. Mir gefiel an einem Ort, an dem heute gar nichts Antikes mehr zu sehen ist, ein Schild; es erklärte, dass an diesem Platz einst eine Einkaufsanlage stand, um einen Innenhof gruppierte Gebäude; im Innenhof waren die Waren für die Kauflustigen ausgelegt. Die Römer betrieben also auch schon Shopping Malls.
  • Ab dem Kraftwerk Augst-Wyhlen gingen wir eine gute Stunde auf einem herrlich schmalen Pfad direkt am und manchmal auch über dem Rhein, Naturboden im Wald mit immer wieder mal einem Fischerhäuschen.
  • Toll schliesslich die Ankunft beim Restaurant Waldhaus, Gemeinde Birsfelden. Es liegt wirklich im Wald und ist reizend altmodisch oder, in meinem Dialekt gesagt, altmödig. Ich hatte Fisch. Zu den Wundern der Wanderung gehörte, dass es just in dem Moment zu tröpfeln begann, als wir Platz nahmen.
    Naturweg am Rhein kurz nach dem Kraftwerk Augst-Wyhlen.

Sonntag, 17. September 2017

Das Haus fiel uns auf und gefiel uns


Gestern gingen wir bei gutem Wetter vom Bahnhof Frenkendorf-Füllinsdorf nach Birsfelden, Hard nah Basel. Das war abwechslungsreich - mehr zur Route morgen oder so. Besonders schön war das Stück von Augst via Schweizerhalle den Rhein entlang bis zum Auhafen, ein schmaler Uferpfad direkt am und über dem Wasser. Beim Auhafen aber mussten wir ins Hafen-Industrie-Gewerbe-Viertel abbiegen und ein paar hundert Meter auf dem Trottoir der vielbefahrenen Rheinfelderstrasse gehen. Dort stand ein Gebäude, das uns auffiel und uns gefiel: erdnahes Rot, nicht-rechtwinklige Formen, mir schien es halb von der Anthroposophen-Architektur inspiriert und halb von der Lehmbauweise in Mali und Niger oder auch New Mexico. Tatsächlich handelt es sich um die noch recht neue Muttenzer Trinkwasser-Aufbereitungsanlage Obere Hard. Ihr, gefertigt aus Spritzbeton, kommt die Aufgabe zu, das mit allen möglichen Giften und Substanzen belastete Grundwasser der Gegend unschädlich zu machen; dazu dient das Haus als Besucherzentrum etwa für Schulklassen. Dass es gut aussieht - überraschend, wenn man bedenkt, wie öd solche Anlagen anderswo im Land anmuten.